Passau liegt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz – deshalb entstehen Hochwasserlagen hier schneller als an einzelnen Flüssen. Entscheidend ist der Pegel Passau/Donau: Ab etwa 7 Metern werden erste Uferstraßen gesperrt, ab rund 8,50 Metern ist die Untere Altstadt betroffen. Die tagesaktuellen Werte veröffentlicht der Hochwassernachrichtendienst Bayern.
Warum Passau besonders betroffen ist
Der Inn führt an der Mündung im Jahresmittel mehr Wasser als die Donau. Kommen Schneeschmelze aus den Alpen und Dauerregen im Böhmerwald zusammen, treffen zwei Hochwasserwellen im Stadtgebiet aufeinander. Die Ilz reagiert zusätzlich schnell auf Starkregen im Bayerischen Wald, weil ihr Einzugsgebiet klein und steil ist.
Der Wasserstand im Stadtgebiet hängt daher nicht nur von der Niederschlagsmenge ab, sondern vom Zeitversatz der Wellen. Deshalb ändern sich Prognosen für Passau manchmal innerhalb weniger Stunden deutlich – schneller als an Ober- oder Unterlauf.
Zwei Ereignisse prägen die Erinnerung: 2013 erreichte der Pegel 12,89 Meter, das höchste Niveau seit 1501. 2024 blieb die Lage darunter, führte aber erneut zu Sperrungen und Einsätzen. Zwischen diesen Ausnahmen gibt es regelmäßig kleinere Lagen, die vor allem Uferstraßen und Tiefgaragen betreffen.
Pegelstände und ihre Bedeutung
Bis 5,00 m
Normalbereich. Promenaden und Anlegestellen sind frei begehbar.
Ab 6,00 m
Uferwege am Inn und an der Donau werden nass, erste Absperrungen.
Ab 7,00 m
Meldestufe: Uferstraßen werden gesperrt, Tiefgaragen am Fluss geräumt.
Ab 8,50 m
Untere Altstadt betroffen, Zufahrten teils nur zu Fuß möglich.
Ab 10,00 m
Großlage mit Evakuierungen im Uferbereich und Sperrung von Brücken.
Aktuelle Werte
Der Hochwassernachrichtendienst Bayern veröffentlicht Pegel und Prognosen laufend.
Was Betriebe in Ufernähe vorbereiten sollten
Betriebe in der Unteren Altstadt und an den Uferstraßen haben in der Regel Erfahrung mit der Lage. Wichtiger als Sandsäcke ist eine schriftliche Reihenfolge: Wer wird informiert, was wird nach oben gebracht, wann wird geschlossen, wie werden Kunden und Lieferanten benachrichtigt. Wer das erst bei steigendem Pegel klärt, verliert Zeit.
Praktisch bewährt haben sich Paletten oder Regale ab 30 Zentimetern Höhe für Warenlager, mobile Schotten an Türen, ein Notstromanschluss für Kühlgeräte und ein Fotoprotokoll der Räume vor dem Ereignis – letzteres beschleunigt die Regulierung mit der Versicherung erheblich.
Ein Punkt wird häufig übersehen: die eigene Website. Ein sichtbarer Hinweis auf geänderte Öffnungszeiten oder eine Ausweichlösung erspart Dutzende Anrufe. Wer keinen schnellen Weg hat, Inhalte zu ändern, sollte das vorher klären – nicht im Ernstfall.
Checkliste vor der Hochwassersaison
Elementarschaden: der wichtigste Versicherungspunkt
Eine normale Gebäude- oder Inhaltsversicherung deckt Hochwasser nicht ab. Nötig ist der Zusatzbaustein Elementarschäden. In Passau ist er je nach Lage und Gefährdungsklasse unterschiedlich teuer, in besonders exponierten Bereichen teils schwer erhältlich. Wer neu mietet oder kauft, sollte diesen Punkt vor Vertragsabschluss klären.
Ebenso wichtig ist die Betriebsunterbrechung. Der eigentliche Schaden liegt bei vielen Betrieben nicht in nassen Wänden, sondern in geschlossenen Wochen. Prüfen Sie, ob und ab welcher Dauer die Police greift.
Für die Regulierung zählt Dokumentation: Fotos vor und nach dem Ereignis, Inventarlisten, Belege. Wer das vorbereitet hat, bekommt schneller Geld – und muss weniger diskutieren.
Wie die Stadt sich verändert hat
Nach 2013 wurden Schutzmaßnahmen ausgebaut: mobile Schutzwände an mehreren Abschnitten, verbesserte Warnketten, klare Zuständigkeiten und eine schnellere Information über städtische Kanäle. Vollständigen Schutz gibt es bei dieser Lage nicht – aber die Reaktionszeit ist deutlich besser geworden.
Für Besucher heißt das: Bei erhöhten Pegeln sind einzelne Promenaden und Anlegestellen gesperrt, die Altstadt selbst bleibt meist erreichbar. Schifffahrt und Rundfahrten stellen den Betrieb ein, sobald Brückendurchfahrten nicht mehr möglich sind.
Wer in Passau lebt oder arbeitet, kennt den Rhythmus: Im Frühjahr und nach Dauerregen lohnt der Blick auf den Pegel. Panik ist unangebracht, Vorbereitung schon.
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Nach dem Wasser: was zuerst zu tun ist
Wenn das Wasser zurückgeht, entscheidet die Reihenfolge über die Höhe des Schadens. Zuerst Strom in den betroffenen Räumen ausschalten lassen, dann fotografieren, danach Schlamm entfernen, solange er feucht ist – getrockneter Schlamm lässt sich kaum noch lösen. Erst zum Schluss trocknen.
Das Trocknen dauert länger, als die meisten erwarten. Estrich und Mauerwerk brauchen Wochen, bei starker Durchfeuchtung Monate. Wer zu früh verschließt oder streicht, riskiert Schimmel hinter neuem Putz. Bautrockner sollten deshalb bis zur Freimessung laufen, nicht bis zur Optik.
Melden Sie den Schaden früh bei der Versicherung, auch wenn die Höhe noch unklar ist. Halten Sie Inventarlisten, Belege und Fotos bereit. Wer eine Betriebsunterbrechung geltend machen will, dokumentiert außerdem die Schließtage und die entgangenen Umsätze.
Reihenfolge nach dem Hochwasser
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