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Wissen · Hochwasser

Hochwasser in Passau: Pegel lesen und vorbereitet sein

Drei Flüsse, drei Pegel – was die Zahlen bedeuten und ab wann es für welche Straßen kritisch wird.

Regional verankertAntwort in 1–3 Werktagen
Hochwasser in Passau – erhöhter Donaupegel an der Uferpromenade unterhalb der Altstadt
JK
Jürgen Kronawitter
Inhaber BavariaConnect – Marketing, Investments und Unternehmensberatung in Passau. Redaktionell verantwortlich für diesen Beitrag.
Veröffentlicht am 10.02.2026 · zuletzt geprüft am 30.07.2026

Passau liegt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz – deshalb entstehen Hochwasserlagen hier schneller als an einzelnen Flüssen. Entscheidend ist der Pegel Passau/Donau: Ab etwa 7 Metern werden erste Uferstraßen gesperrt, ab rund 8,50 Metern ist die Untere Altstadt betroffen. Die tagesaktuellen Werte veröffentlicht der Hochwassernachrichtendienst Bayern.

Warum Passau besonders betroffen ist

Der Inn führt an der Mündung im Jahresmittel mehr Wasser als die Donau. Kommen Schneeschmelze aus den Alpen und Dauerregen im Böhmerwald zusammen, treffen zwei Hochwasserwellen im Stadtgebiet aufeinander. Die Ilz reagiert zusätzlich schnell auf Starkregen im Bayerischen Wald, weil ihr Einzugsgebiet klein und steil ist.

Der Wasserstand im Stadtgebiet hängt daher nicht nur von der Niederschlagsmenge ab, sondern vom Zeitversatz der Wellen. Deshalb ändern sich Prognosen für Passau manchmal innerhalb weniger Stunden deutlich – schneller als an Ober- oder Unterlauf.

Zwei Ereignisse prägen die Erinnerung: 2013 erreichte der Pegel 12,89 Meter, das höchste Niveau seit 1501. 2024 blieb die Lage darunter, führte aber erneut zu Sperrungen und Einsätzen. Zwischen diesen Ausnahmen gibt es regelmäßig kleinere Lagen, die vor allem Uferstraßen und Tiefgaragen betreffen.

Pegelstände und ihre Bedeutung

01

Bis 5,00 m

Normalbereich. Promenaden und Anlegestellen sind frei begehbar.

02

Ab 6,00 m

Uferwege am Inn und an der Donau werden nass, erste Absperrungen.

03

Ab 7,00 m

Meldestufe: Uferstraßen werden gesperrt, Tiefgaragen am Fluss geräumt.

04

Ab 8,50 m

Untere Altstadt betroffen, Zufahrten teils nur zu Fuß möglich.

05

Ab 10,00 m

Großlage mit Evakuierungen im Uferbereich und Sperrung von Brücken.

06

Aktuelle Werte

Der Hochwassernachrichtendienst Bayern veröffentlicht Pegel und Prognosen laufend.

Was Betriebe in Ufernähe vorbereiten sollten

Betriebe in der Unteren Altstadt und an den Uferstraßen haben in der Regel Erfahrung mit der Lage. Wichtiger als Sandsäcke ist eine schriftliche Reihenfolge: Wer wird informiert, was wird nach oben gebracht, wann wird geschlossen, wie werden Kunden und Lieferanten benachrichtigt. Wer das erst bei steigendem Pegel klärt, verliert Zeit.

Praktisch bewährt haben sich Paletten oder Regale ab 30 Zentimetern Höhe für Warenlager, mobile Schotten an Türen, ein Notstromanschluss für Kühlgeräte und ein Fotoprotokoll der Räume vor dem Ereignis – letzteres beschleunigt die Regulierung mit der Versicherung erheblich.

Ein Punkt wird häufig übersehen: die eigene Website. Ein sichtbarer Hinweis auf geänderte Öffnungszeiten oder eine Ausweichlösung erspart Dutzende Anrufe. Wer keinen schnellen Weg hat, Inhalte zu ändern, sollte das vorher klären – nicht im Ernstfall.

Hochwasser Passau – überflutete Uferpromenade am Inn mit Blick auf die Innstadt und die Altstadt

Checkliste vor der Hochwassersaison

Pegel und Prognose regelmäßig prüfen (Hochwassernachrichtendienst Bayern)
Warnungen per App und Rundfunk aktivieren
Schriftliche Reihenfolge für den Ernstfall festlegen
Waren und Technik auf Höhe bringen, Sockelbereiche freihalten
Elementarschadenschutz in der Versicherung prüfen
Fotoprotokoll der Räume anlegen
Fahrzeuge aus ufernahen Tiefgaragen umparken
Hinweis auf Website und im Google-Profil vorbereiten

Elementarschaden: der wichtigste Versicherungspunkt

Eine normale Gebäude- oder Inhaltsversicherung deckt Hochwasser nicht ab. Nötig ist der Zusatzbaustein Elementarschäden. In Passau ist er je nach Lage und Gefährdungsklasse unterschiedlich teuer, in besonders exponierten Bereichen teils schwer erhältlich. Wer neu mietet oder kauft, sollte diesen Punkt vor Vertragsabschluss klären.

Ebenso wichtig ist die Betriebsunterbrechung. Der eigentliche Schaden liegt bei vielen Betrieben nicht in nassen Wänden, sondern in geschlossenen Wochen. Prüfen Sie, ob und ab welcher Dauer die Police greift.

Für die Regulierung zählt Dokumentation: Fotos vor und nach dem Ereignis, Inventarlisten, Belege. Wer das vorbereitet hat, bekommt schneller Geld – und muss weniger diskutieren.

Wie die Stadt sich verändert hat

Nach 2013 wurden Schutzmaßnahmen ausgebaut: mobile Schutzwände an mehreren Abschnitten, verbesserte Warnketten, klare Zuständigkeiten und eine schnellere Information über städtische Kanäle. Vollständigen Schutz gibt es bei dieser Lage nicht – aber die Reaktionszeit ist deutlich besser geworden.

Für Besucher heißt das: Bei erhöhten Pegeln sind einzelne Promenaden und Anlegestellen gesperrt, die Altstadt selbst bleibt meist erreichbar. Schifffahrt und Rundfahrten stellen den Betrieb ein, sobald Brückendurchfahrten nicht mehr möglich sind.

Wer in Passau lebt oder arbeitet, kennt den Rhythmus: Im Frühjahr und nach Dauerregen lohnt der Blick auf den Pegel. Panik ist unangebracht, Vorbereitung schon.

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Nach dem Wasser: was zuerst zu tun ist

Wenn das Wasser zurückgeht, entscheidet die Reihenfolge über die Höhe des Schadens. Zuerst Strom in den betroffenen Räumen ausschalten lassen, dann fotografieren, danach Schlamm entfernen, solange er feucht ist – getrockneter Schlamm lässt sich kaum noch lösen. Erst zum Schluss trocknen.

Das Trocknen dauert länger, als die meisten erwarten. Estrich und Mauerwerk brauchen Wochen, bei starker Durchfeuchtung Monate. Wer zu früh verschließt oder streicht, riskiert Schimmel hinter neuem Putz. Bautrockner sollten deshalb bis zur Freimessung laufen, nicht bis zur Optik.

Melden Sie den Schaden früh bei der Versicherung, auch wenn die Höhe noch unklar ist. Halten Sie Inventarlisten, Belege und Fotos bereit. Wer eine Betriebsunterbrechung geltend machen will, dokumentiert außerdem die Schließtage und die entgangenen Umsätze.

Reihenfolge nach dem Hochwasser

Strom abschalten lassen, Räume erst danach betreten
Fotos und Videos vor dem Aufräumen
Schlamm feucht entfernen, nicht antrocknen lassen
Versicherung früh melden, auch ohne Schadenshöhe
Bautrockner bis zur Freimessung laufen lassen
Erst nach Trocknung verputzen und streichen
Schließtage und Umsatzausfall dokumentieren
Häufige Fragen

Antworten auf einen Blick

Wo finde ich den aktuellen Pegel für Passau?+

Beim Hochwassernachrichtendienst Bayern, dort tagesaktuell mit Prognose für Donau, Inn und Ilz. Zusätzlich informiert die Stadt Passau bei Meldestufen über ihre Kanäle.

Ab welchem Pegel wird es in der Altstadt kritisch?+

Ab etwa 7 Metern werden Uferstraßen gesperrt, ab rund 8,50 Metern ist die Untere Altstadt betroffen. Über 10 Metern spricht man von einer Großlage.

Wie hoch stand das Wasser 2013?+

Der Pegel erreichte 12,89 Meter – der höchste Stand seit 1501. Große Teile der Unteren Altstadt waren überflutet.

Deckt meine Versicherung Hochwasser ab?+

Nur mit dem Zusatzbaustein Elementarschäden. Ohne diesen Baustein sind Überschwemmungsschäden in der Regel nicht versichert – das gilt für Gebäude und Inhalt.

Kann ich als Tourist trotzdem nach Passau kommen?+

Bei mittleren Pegeln ja. Gesperrt sind dann einzelne Uferwege und Anlegestellen; Altstadt, Dom und Veste bleiben meist erreichbar. Schifffahrten fallen aus.

Was sollten Betriebe zuerst tun?+

Eine schriftliche Reihenfolge festlegen: informieren, Waren nach oben, schließen, Kunden benachrichtigen. Dazu Elementarschutz prüfen und ein Fotoprotokoll anlegen.

Wie lange dauert die Trocknung?+

Bei Estrich und Mauerwerk Wochen bis Monate. Erst nach einer Freimessung sollte verputzt oder gestrichen werden – sonst droht Schimmel hinter neuem Material.

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